Internationales Seminar für analytische Psychologie Zürich

Die Analytische Psychologie C.G.Jung’s: Stichworte

Das Bahnbrechende, das Jung zum Verständnis des Menschen und der Seele beigetragen hat, lässt sich in Stichworten etwa so charakterisieren:

  •  Jung ist der Entdecker des kollektiven Unbewussten, das die allgemein- menschliche Grundlage seelischen Erlebens und schöpferischen Gestaltens ist.
  • Jung hat den Begriff der Archetypen in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht.
  • Jung ist der Begründer einer neuen Typologie. Die dazugehörigen Begriffe von Extraversion und Introversion sind in den allgemeinen Wortschatz eingegangen.
  • Jung hat das Konzept des Individuationsprozesses entwickelt. Es besagt, dass die seelische Entwicklung des Menschen auf einem Selbstwerdungsvorgang beruht. Dieser verlangt eine Abwendung von kollektivem Normverhalten, sowie Förderung und Entwicklung der eigenen Persönlichkeitspotentiale.
  • Auf dem Weg zum authentischen Selbst hat sich der Mensch mit verschiedenen Persönlichkeitsaspekten auseinander zu setzen: mit der Persona, dem Schatten, mit Anima und Animus und mit dem Selbst. Diese Begriffe sind ebenfalls Allgemeingut geworden.
  • Als Erforscher der Tiefendimensionen des Unbewussten hat sich Jung speziell mit Märchen, mit Mythologie, Religion und Alchemie befasst. Er entwickelte dabei einen völlig neuen Symbol-Begriff.
  • Beim Deuten unbewusster Inhalte wandte Jung eine finale Betrachtungsweise an. Er ging dabei von kompensatorischen Bedeutungen aus, die der selbstregulierenden Tendenz der Seele entspringen.
  • Jung betrachtete die Psyche als objektive Realität, die sich auch in sogenannten Synchronizitäten äussern kann. Seines Erachtens weist dies auf die Tatsache, dass psychische Innenwelt und konkrete Aussenwelt sich letztlich entsprechen.
  • Für Jung folgt das therapeutische Handeln nicht einer allgemeingültigen Methode. Es richtet sich vielmehr nach den je verschiedenen Gegebenheiten des einzelnen Individuums.
  • Seelische Krankheit wird nicht bloss als zu behebende Störung verstanden, sondern ebenso sehr als Notwendigkeit und Anstoss zu seelischer Entwicklung. Die therapeutische Aufgabe besteht für Jung darin, den Menschen auf seinem Weg zu sich selber zu unterstützen, dessen Bewusstwerdung zu fördern, grössere Authentizität zu ermöglichen und die je eigene Kreativität zum Leben zu bringen.
  • Zusätzlich hat das therapeutische Handeln zum Ziel, den Menschen zur Erfahrung eines Grösseren zu befähigen, ihn für die Sprache des Unbewussten zu öffnen und für die Dimension des eigenen Lebenssinnes empfänglich zu machen.
  • Die therapeutische Beziehung wird als reale Beziehung zweier Menschen gesehen, die als Gefäss für den therapeutischen Prozess von grundlegender Bedeutung ist.
  • Die Analytische Psychologie betrachtet die Psyche als eine von Gegensätzen bestimmte Wirklichkeit. Deshalb ist die Jungsche Sicht durch mehrere Polaritäten gekennzeichnet:
    • Sie betont einerseits die herausragende Stellung des Individuums gegenüber dem Kollektiv, unterstreicht aber andererseits auch die Bedeutung von kollektiven Faktoren, wie sie im Unbewussten des Individuums und in Gesellschaft und Kultur wirksam sind.
    • Sie betrachtet Bewusstwerdung als vordringliche Aufgabe, aber sie erkennt zugleich in der Annäherung ans Unbewusste und an dessen instinktives Wissen eine eminent therapeutische Zielsetzung.
    • Sie erkennt in der schöpferischen Begegnung mit persönlichen Gefühlen und inneren Bildern den Kern der therapeutischen Arbeit, aber weiss zugleich um die Notwendigkeit eines realistischen Alltagsbezugs und um die Wichtigkeit des Einbezugs der Welt.
    • Sie bemüht sich um allgemein gültige wissenschaftliche Erkenntnis und hütet sich zugleich, die komplexe Wirklichkeit des Seelischen in verallgemeinerbare Konzepte und normierte Behandlungsstrategien fassen zu wollen.

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